Auf Rangiroa hatten wir sogleich ein Supergefühl. Oft ist es so, dass man sehr schnell entscheidet, ob der neue Ort einem flasht oder einfach nur etwas Neues ist. Rangiroa (was so viel bedeutet wie langer Himmel) war ganz klar ersteres. Die Übernahme eines weiteren shitty cars am Airport verlief reibungslos und unsere süsse, kleine Unterkunft fanden wir auch auf Anhieb. Gut, die Insel ist ziemlich lang, aber sehr schmal und hat nur eine Strasse, haha! So schwierig war es also nicht. Estelle, unsere liebe Gastgeberin zeigte uns die kleine, saubere Lodge, die für eine Woche unser zuhause sein würde. Der Vibe auf der noch nicht touristischen Insel packte uns sogleich. Superfreundliche Leute, chillige Atmosphäre und überall Musik!
Am zweiten Tag ging es bereits auf einen Ganztagesausflug. Wir besuchten die blaue Lagune, wo es unzählige Black Tip Haie zu sehen gab. Die Farben des Wassers waren wieder einmal unvorstellbar schön und die Abgeschiedenheit der Privatinsel liess so richtiges Robinson-Feeling aufkommen. Zum lokalen Lunch (wie immer Fisch 😊) spielten die Guides auf Ukulele und Bongos schöne lokale (und französische) Songs. Das Highlight am Nachmittag war dann das Schnorcheln im Pass. Für Taucher muss das einer DER Spots überhaupt auf der Welt sein. Die starke Strömung zieht einem durch den Pass, man fährt quasi am Riff vorbei und kann die faszinierende Unterwasserwelt wie aus dem Zugfenster bestaunen.
Auf dem einzigen bewohnten Teil des zweitgrössten Atolls der Welt gab es sogar ein kleines Postoffice. Christina war aufgrund Tims Downloadverhalten (haha!) das Internet ausgegangen und wir mussten das irgendwie nachladen. Die hilfsbereite Pöstlerin hatte alles Notwendige vor Ort und einige Minuten später konnte Christina ihr Handy wieder nutzen.
Dann gab es noch einen weiteren wunderbaren Moment. Es gibt so Momente, in denen einfach alles stimmt. Wenn man einfach denkt: «Das ist jetzt perfekt so». In Gedanken setze ich solche Momente dann jeweils in einen Bilderrahmen und hänge sie in meinen Erinnerungen an die Wand. Das müssen nicht unbedingt spektakuläre Sachen sein, manchmal ist es einfach die Mischung aus Umgebung, Menschen, Gerüchen und Stimmungen. In Polynesien hatte ich so einen Moment bereits einmal auf dem Schnorchelboot in Bora Bora, als der Skipper auf der Ukulele spielte. Hier in Rangiroa war es beim Sonnenuntergang im Hafen, als wir mit einigen Locals aufs Meer hinausschauten und unter uns eine Familie Ammenhaie schwamm. Bei Gedanken daran kriege ich gleich wieder Gänsehaut…
Christina überredete Tim und (vorallem) mich dann noch dazu, eines Abends mit den Schnorchelsachen ins Wasser zu steigen und mit den über drei Meter grossen Haien zu schwimmen. Zugegeben, ein bisschen Angst hatte ich schon. Aber einmal mehr: Die Überwindung hat sich absolut gelohnt!
Ebenfalls liess es sich Christina nicht nehmen, an diesem famosen Divespot tauchen zu gehen. Tim wollte auch, aber die Tauchleiterin musste leider auf die sehr strikten französischen Gesetze hinweisen… Unter acht Jahren darf man keinen Tauchgang machen. Und auch der Hinweis auf Tims Geburtstag in zehn Tagen half nichts.
Tim und ich mussten uns also eine andere Beschäftigung suchen, währenddem Christina unter Wasser war. Wie schon im letzten Eintrag erwähnt, hat es uns die polynesische Kunst, v.a. auf Tattoos sehr angetan. Ich hatte darum noch in Moorea mal ein paar gute Studios rausgesucht und einen Termin mit meinem Favoriten auf Rangiroa vereinbart. Nach ein paar sehr chilligen Tagen auf der wunderschönen Insel suchten wir also zur vereinbarten Zeit das Studio auf.
Leider standen wir vor verschlossener Türe… ich rief also auf der Nummer im Internet an und der Tätowierer Moana (der heisst wirklich so!) teilte mir mit, dass er gleich da sein würde. In Zwischenzeit öffnete noch eine Frau die Türe und war irgendwie komisch. Als Moana dann kam, erklärte er uns, dass dies seit gestern seine Ex-Freundin sei und er seit gerade eben kein Studio mehr habe. Hhmm, was machen wir da. Er versicherte uns, dass er am nächsten Tag an einem anderen Ort eingerichtet sei. Ich erklärte mich einverstanden und am Abend erhielt ich tatsächlich den Standort für den nächsten Termin!
Ich dachte mir, dass das doch irgendwie ein cooler Beginn für mein erstes richtig grosses Tattoo sei. Bei der Besprechung am nächsten Tag war dann gleich alles klar. Moana liess sich von mir meine Geschichte erzählen, machte sich Notizen und erklärte dann, dass er das genauso umsetzen könne. Der entscheidende Punkt war aber das von ihm genau zu dieser Zeit gespielte Lied auf der Boombox (nur auf Youtube zu finden: Children of Ocean von Irie Tahitian Reggae). Wieder passte einfach alles, und ich traf mal wieder eine Bauchentscheidung!
So verbrachten Tim und ich die nächsten zwei Tage bei Moana und mein ganzer rechter Arm ist jetzt mit meiner Geschichte im Stil der Marquesas geschmückt.
Polynesien hat es uns wirklich richtig angetan. Die Lebensfreude der Leute, der leckere Tuna, das unglaubliche Wasser und der chillige Vibe der unzähligen Inseln haben uns gepackt.
Gestern sind wir jetzt nach Fakarava weitergeflogen. Hier wird ebenfalls getaucht und gechillt – wir geniessen noch die letzten Tage in unserem Inselparadies!
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