Nachdem wir mit der Fähre in Bruny Island angekommen waren, bezogen wir ein superhübsches kleines Häuschen, welches etwas höher auf einem Hügel stand. Die Aussicht von oben direkt aufs Meer und die wilde Küste war schlicht atemberaubend. Da die ziemlich naturbelassene Insel kulinarisch nicht wirklich viel herzugeben schien, entschieden wir, unser heimeliges Zuhause so richtig zu geniessen und zweimal zuhause zu dinieren. An unseren Feiertag stellte ich mich in die Küche und kochte uns, mittlerweile auswendig (!), meine berühmten Spaghetti Bolognese. Mit ein paar Bier zum Kochen und einer Flasche Wein zum Dinner genossen wir unsere Dreisamkeit und liessen und wieder mal die fantastische Zeit, die wir erleben durften durch den Kopf gehen.
Als Highlight unserer Bruny-Zeit nahmen wir noch an einer Bootstour teil. Während drei Stunden düsten wir der rauhen Küste entlang, bestaunten die Klippen und die sehenswerte Natur. Absolute Klasse waren aber die Tiersichtungen. Es gab Albatrosse (was für eine Spannweite…), verspielte Robben, Delfine und als absoluten Höhepunkt einen Orca!
Zurück auf festem Boden machten wir noch einen Walk und sahen dabei die berühmten weissen Wallabys und ein paar Echidnas. Die igelähnlichen Tierchen sind superputzig, wackeln einfach so vor sich hin und kümmern sich überhaupt nicht um uns Menschen. Der Grund liegt wahrscheinlich daran, dass praktisch die ganze Insel ein Nationalpark ist und hier auch keine Dingos leben. Das sei auch der Grund, weshalb es die weissen Wallabys gebe.
Die Weiterfahrt nach Bruny hatte es in sich. Es ging einmal quer durchs Land. Die Westseite der Insel ist sehr dünn besiedelt so, dass wir stundenlang durch Wälder und Berge fuhren. Auch irgendwie speziell ist die Herbststimmung jetzt. Da wir unseren letzten europäischen Herbst im Jahr 2022 erlebten, war es ganz speziell, die gelb-braunen Blätter an den Bäumen zu sehen und die frische Herbstluft einzuatmen. Schon lustig, wie man das plötzlich wahrnimmt, wenn man es ganz lange nicht mehr erlebt hat.
Ziel war Strahan, eine kleine Stadt im Westen. Hier machten wir ein paar obligate Walks und als Höhepunkt gab es das am längsten gespielte Theater Australiens (seit 32 Jahren, kann man googeln!). Inhalt war der Ausbruch von ein paar Inhaftierten anno 18nochwas, welche ein Boot klauten und Piraten wurden. Der Cast bestand aus zwei Personen und einem Boot. Das Spassige daran war, dass die beiden Hauptdarsteller das Publikum für diverse Rollen miteinbauten. Jetzt darf man einmal raten, wer den einen Ausbrecher spielen durfte… wie in jedem Zirkus, durfte ich eine Rolle übernehmen. Tim war zuerst etwas traurig, dass er (noch) nicht mitmachen durfte. Als dann eine weitere Piratenrolle zu vergeben war, schellte Tims Hand sofort hoch und so wurde auch er ver-piratisiert! Wir alle erlebten einen ungeheuer lustigen Abend und lachten soviel wie seit langem nicht mehr! Absolute Empfehlung in Tasmanien: „The ship that never was“.
Nächster Stop waren die Cradle Mountains. Neben Hobart war das das zweite touristische „Must-see“ in Tasmanien. Entsprechend gab es beim Eingang des Nationalparks auch ein modernes Visitorcenter und viele Asiaten, die die Berge bewandern wollten. Das Gebiet ist wunderschön, wobei uns als Schweizer die Höhe von gut 1500 m.ü.M. natürlich nicht extrem beeindruckt. Besonders lustig sind die Zeitangaben für die Wanderungen… die veranschlagten sechs schafften wir in etwa dreieinhalb Stunden. Am Schluss der Wanderung kamen dann auch endlich noch die Wombats hervor und wir konnten die riesigen Meerschweinchen bestaunen.
Leider war die von uns gewünschte Unterkunft, ein Hotel direkt beim Nationalpark, ausgebucht. So mussten wir eine Alternative suchen. Christina überbot sich dieses Mal selber bei der Auswahl und wir durften zwei Nächte in einem unglaublich schönen Glamping-Zelt etwa 40 Minuten entfernt vom NP verbringen. Die Sterne waren fantastisch zu sehen und wir genossen die romantische Zeit in der Mountain Lodge. Leider hatten wir noch einen traurigen Zwischenfall zu bedauern – nach fast einem Jahr ist es nun doch noch passiert und ein armer Joey ist mir vor Hulk gesprungen und wurde überfahren. Schon oft hatten wir gedacht, dass es wirklich unglaublich viele Roadkills zu sehen gibt (circa jeden Kilometer liegt ein totes Känguru an der Strasse)…
Wir waren jetzt also einmal rund um die Insel gefahren und als letzten Stopp vor der Fähre hatten wir bereits in unseren ersten Tagen auf Tasmanien einen Termin mit dem Schweizer Winzer Matthias Utzinger vereinbart. Von unserem Freund Markus aus Savognin kam die Empfehlung sobald er gesehen hatte, dass wir in Tassie sind. Es wurde wieder einmal eine wunderschöne Bekanntschaft mit einem tollen Menschen. Dass es dazu noch seinen leckeren Wein zu verköstigen gab, machte den Nachmittag natürlich noch besser! Wir freuen uns bereits, bei einer Flasche seines tollen Pinot Noir in der Schweiz in Erinnerungen zu schwelgen.
Die Fähre war wieder ein Erlebnis und der letzte Tag in Melbourne wurde mit Besorgungen verbracht. Nach einer letzten Nacht im Flughafenhotel fuhren wir nochmals zu Balu und stellten ihm Hulk als Gesellschaft für die nächsten Monate zur Seite. Ein Fahrer fuhr uns jetzt eben an den Flughafen und hier sitze ich nun im Flughafencafé und schreibe die letzten australischen Zeilen für ein paar Monate. Neben etwas Wehmut über den Abschied überwiegt aber die riesige Vorfreude auf die Wärme in der Südsee!!
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